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Ein Tag im Selbstversuch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln durch Tauber und Odenwald

Eine Delegation des Ortsvereins Walldürn wartete mit großen SPD-Banner auf die Ankunft der Kandidatin mit ihren Begleiter*Innen. WICHTIGE ANMERKUNG: Walldürn ist spitze!

Am 02.07.2021 war es soweit!

 

Die SPD-Bundestagskandidatin Anja Lotz startete in Begleitung der SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Hildegard Buchwitz-Schmidt in Weikersheim, um im Selbstversuch den ÖPNV zu testen und einen Tag lang hautnah zu erleben.

Die Strecke war im Vorfeld auf der Homepage der Bundestagskandidatin veröffentlicht worden, so dass sich entlang der angekündigten Haltepunkte Reisegäste mit den roten Erkennungszeichen hinzugesellten. Auch ein Vertreter des VCD Kreisverband Main-Tauber stieg mit seinem Fahrrad zu.

In Eubigheim, Tauberbischofsheim, Wertheim, Walldürn und Buchen war der Andrang der ÖPNV-Befürworter*Innen besonders groß. Viele Gespräche wurden während der Wartezeiten und den Fahrten mit Reisepersonal, Fahrgästen und Begleiter*Innen geführt. So manche Ärgernisse wurde angesprochen, die sich teilweise aufgrund der selbstgewonnenen Eindrücke bestätigen ließen.  

Anja Lotz und ihre Begleiter*Innen absolvierten an diesem Tag eine Strecke, die mit dem PKW 235,1 Straßenkilometer ausgemacht hätte.  10 Stunden und 31 Minuten war sie dafür mit Bus, Bahn, Rufbus und Privattaxi unterwegs.

FAZIT:

Es zeigt sich, ÖPNV-Reisende sollten Zeit mitbringen. Die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit lag bei 22,4 km/h.  Da sollte man sich über die autonomen Kleinbusse mit einer Reisegeschwindigkeit von 20 km/h nicht lustig machen. (Anmerkung: Spitzengeschwindigkeit bis 45 km/h) Sie werden in einem Pilotprojekt derzeit getestet. Doch es wird noch eine ganze Weile dauern, bis diese Fahrzeuge für den ÖPNV zur Verfügung stehen werden.

Neben dem Schneckentempo gibt es noch weitere Hindernisse, die gegen höhere Fahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr sprechen.

Die Schul- und Berufspendler haben zu gängigen Zeiten eine akzeptable Reisedauer. Doch bereits bei den eingleisigen Bahnstrecken führt die Verspätung eines Zuges zu Schwierigkeiten Anschlussverbindungen zu erreichen. Umstiege unter 5 Minuten sind vor allem für ältere oder mobilitätseingeschränke Reisende eine Herausforderung. Denn die Wege auf den Bahnhöfen mit Treppen sind beschwerlich, auch ohne Gepäck.

Viele Bahnhöfe sind noch nicht barrierefrei, so zum Beispiel Niederstetten oder auch Eubigheim, dass um den Erhalt der Frankenbahn ganz besonders kämpft.

Berufspendler im Schichtdienst am Wochenende haben schlechte Karten. So startet zum Beispiel die erste schnelle Anbindung Bad Mergentheim – Tauberbischofsheim ab 6.29 Uhr. Wer bereits um 6.00 Uhr am Arbeitsplatz sein muss, kann nicht auf den ÖPNV zählen.   

Die Kultur- und Freizeitreisenden werden vom ÖPNV nicht verwöhnt. So gibt es für die Strecke Bronnbach - Weikersheim nach 21.56 Uhr keine akzeptable Anbindung mehr. Kleinere Ortsteile haben gänzlich das Nachsehen und können den öffentlichen Nahverkehr nicht für den Besuch des kulturellen Abendangebotes in Anspruch nehmen.

Die Angebote der Tauberphilharmonie Weikersheim sind für badische Nachtschwärmer eine Herausforderung. Konzerte, die um 19.30 Uhr starten sollten noch vor 20.45 Uhr verlassen werden. Wer den Darbietungen nicht widerstehen kann, sollte sich besser ein Hotel buchen. Das macht den Kulturgenuss teuer.

Auch das Wochenend-Nightlife in Städten wie Würzburg oder Heidelberg hört für die Gäste vom Land früh auf. Die letzten flotten ÖPNV-Verbindungen von den Metropolstädten in die Kleinstädte starten weit vor 24.00 Uhr.

So manche Unsinnigkeit zeigt sich bei Buchungen zu bestimmten Fahrzeiten. Für die Strecke Oberwittstadt – Lauda muss unter Umständen eine Tour nach Osterburken, also in die entgegengesetzte Zielrichtung, unternommen werden, um die 32 Straßenkilometer in 1 Stunde und 19 Minuten mit drei Umstiegen zu schaffen.

Routen mit Start und Ziel in kleinen Teilorten, wie von Kleinrinderfeld nach Kembach sind nur mit sehr viel Muse erreichbar. Die schnellste Verbindung der 26 Straßenkilometer ist nicht unter 1 Stunde 46 Minuten zu bekommen. Oder die 13 Straßenkilometer für Hirschlanden – Brehmen, die Fahrzeiten liegen zwischen zwei und drei Stunden mit jeweils vier Umstiegen. Rekordverdächtig auch die Strecke Sattelbach – Katzental für die 14 Straßenkilometer rasen die Öffentlichen mit 14 KM/h dahin.

Einige Busstrecken benötigen sehr umsichtiges Fahrpersonal, die Strecke Walldürn – Kleinhornbach mit den engen, kurvigen Sträßchen ist als sehr gefährlich einzustufen. Die Strecke Creglingen – Archshofen hat ebenfalls ihre Besonderheiten. Dem entgegenkommenden Busverkehr kann nicht immer ausgewichen werden. Die Busfahrer*Innen sprechen sich vor Durchfahrt mancher Ortsverbindungswege ab und lassen ihren Kollegen*Innen die Vorfahrt.

Ruftaxis sollen das Angebot des ÖPNV ergänzen. Sie sind nur auf den ersten Blick günstig. Denn für jede durchfahrene Wabe werden pro Person 2,70 Euro fällig. Wer ein Monats- oder Jahresticket besitzt, zahlt keine Extragebühren. Auch sind nicht alle angegebenen Strecken des VRN verfügbar, so gab es für die Strecke Eubigheim – Boxberg um 10.29 Uhr keine Buchungsmöglichkeit.

Bei einer Ankunft um 10.07 Uhr geht die nächste Verbindung für die 13 Kilometer nach Boxberg erst wieder um 11.46 Uhr.

Die Ruftaxis müssen mindestens 1 Stunde vor Reisestart gebucht werden, nicht immer ist ein Platz zu ergattern, gerade in Corona-Zeiten. Die geringeren Sitzplatzangebote je Kleinbus werden nicht durch zusätzliche Ruftaxis aufgestockt.

Die Preise für Monats- oder Jahreskarten sind hoch. Ohne Vergünstigung kostet die Karte „Jedermann“ für Strecken (4 Waben) wie Weikersheim – Tauberbischofsheim oder Osterburken – Mosbach 1.502,40 Euro jährlich. Für die große Reiseroute über 7 Waben (zum Beispiel Strecke Weikersheim – Buchen) müssen im Jahresticket „Jedermann“ 2.212,80 Euro aufgebracht werden. Kosten für Hundebegleitung und Fahrradmitnahme können noch extra berechnet werden.

Gerade für Fahrräder gilt keine Mitnahmepflicht. Bahncard-Ermäßigungen sind nur im geringen Umfang auf den VRN übertragbar.

Es ist schon eine logistische Meisterleistung, die die Kreise mit dem VRN bewältigen. Die öffentliche Mobilität ist mit hohen Kosten verbunden. Da macht es sich nicht gut, wenn so manche Busfahrt außerhalb der Hauptverkehrszeiten auf den Nebenstrecken einer Geisterfahrt gleicht. Keine Fahrgäste an Bord!

Wichtig wäre es, die Schienenstrecken mit einer halbstündigen Taktung zu versehen und die vorhandenen Gleisstrecken sowie Bahnhöfe zu reaktivieren und in den Betrieb einzubauen. Dafür kämpft die „Frankenbahn Bürgerinitiative für Alle“, deren Vertreter*Innen zahlreich in Eubigheim am Bahnhof auf Anja Lotz und ihr Team warteten. „Ein gutes Angebot schaffe  Nachfrage“, darüber waren sich die Anwesenden einig. Denn, würde der Schienenverkehr zuverlässig überall ausgebaut sein, hätten die Kreise die Möglichkeit sich auf eine Adaption an den Schienenverkehr zu konzentrieren. Und die Kommunen müssten nicht noch zusätzlich eigene Bürgerbusse auf den Weg schicken.

Manche Anbindung muss schnellstmöglich mit umweltfreundlichen Fahrzeugantrieben ausgerüstet werden, da die Dieselfahrzeuge ökologisch nicht vertretbar sind, wenn sie von zu wenigen Menschen genutzt werden. Den Fahrbetrieb auf den weniger genutzten Strecken zu reduzieren wäre aus Sicht der SPD-Bundestagskandidatin, Anja Lotz, grundverkehrt. Mit schwindendem Angebot gehen immer mehr ÖPNV-Nutzer*Innen verloren.

Alle angebotenen Fortbewegungsmittel waren sehr sauber und das Reisepersonal überaus freundlich und hilfsbereit. Das lädt zum Mitfahren ein und gibt auch unerfahrenen Reisenden ein gutes Gefühl.

Wenn jetzt noch eine gute Taktung, eine stimmige Anbindung in der Fläche, Barrierefreiheit und günstige Fahrpreise vorhanden wären, würden sich sicherlich viele neue Fahrgäste finden. Vor allem auch diejenigen, die die eigenen Fahrzeugkosten gerne reduzieren und auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umsteigen möchten.

Übrigens, das SPD-Ziel ist das 365 Euro Jahresticket für „Jedermann“ durchzusetzen. Je mehr Jahrestickets verkauft würden, um so verlässlicher wäre für die VRN-Betreiber die Planung machbar.

Nichts ist schlimmer, als ein Angebot, dass nicht oder zu wenig genutzt werden kann und dennoch irgendwie aufrechterhalten werden muss. Führt es jedoch durch seine Konzeption zu einem guten Kaufanreiz, so kann es zu einer verlässlichen Größe wachsen. Im Fall des ÖPNV geht es noch viel weiter, es wäre ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Bericht: SPD-Bundestagskandidatin Anja Lotz